NNLeserbrief zum Artikel: „Aufbruch in Todesangst: Flüchtlinge erzählen ihr Schicksal“ (Samstag, 12. September 2015 – unter LOKALES)

Proud to be a „Kraut“

Ich hätte nie gedacht, dass ich folgenden Satz einmal sagen würde: „Ich bin stolz darauf ein Deutscher zu sein“. Und wenn Sie mich jetzt in der rechten Ecke suchen, dann verwechseln Sie Braun mit Grün. Warum auch hätte ich diesen Satz bisher sagen sollen? Weil ich zufälligerweise in Deutschland geboren wurde? Dafür kann ich nichts und man kann nur auf etwas stolz sein das nicht vom Zufall abhängt.

Deutschland hat sich von einer Seite gezeigt, die ich so nicht erwartet hätte. Mitgefühl und enorme Hilfsbereitschaft mit den Kindern, Frauen, Männern, die als einzigen Ausweg eine gefährliche und oft tödliche Flucht in sichere Länder versuchen. Wir in Deutschland zeigen diesen Menschen, dass wir ihnen helfen wollen. Nebenbei beschämen wir sogenannte christliche oder angeblich zivilisierte Länder in Europa, die wohl vergessen haben was Hilfsbereitschaft in höchster Not bedeutet. Die ganze Welt zollt uns dafür Respekt und Bewunderung und Deutschland wird nicht mehr das Land der Kriegstreiber sondern der Hilfsbereitschaft und hoffentlich der Integration sein. Darauf bin ich stolz.Ich bin auch stolz darauf ein Herzogenauracher zu sein, obwohl ich von weit her komme, nämlich aus Uttenreuth. Die Herzogenauracher zeigen nämlich wie eine Willkommenskultur aussieht. Der Helferkreis Flüchtlingsbetreuung, der ASB, die Tafel, die Stadtangestellten, unser Chef im Rathaus, und die vielen anderen Spender und Helfer verdienen unseren höchsten Respekt für ihre unermüdliche Arbeit. Darauf bin ich stolz.

Nehmen wir als ein Beispiel von vielen die „Tafel“. Was dort geleistet wird, kann ich beurteilen, da ich selber mithelfen darf. Wir sind nicht immer die Jüngsten und doch werden dreimal in der Woche viele Lebensmittel eingesammelt und zweimal in der Woche an Kunden ausgegeben. Glauben Sie mir das Abholen und die Ausgabe sind harte Arbeit. Mit den Flüchtlingen hat sich die Anzahl der Abholer mehr als verdoppelt, aber keiner der Tafelmitarbeiter hat gemurrt. Es war selbstverständlich, dass eine zweite Ausgabe in der Woche erfolgen und mehr rangeschafft werden muss. Darauf bin ich stolz.

Nebenbei bemerkt: da die Tafel nur die gespendeten Waren ausgeben kann, fehlen sehr häufig haltbare Lebensmittel, wie Reis, Nudeln, Kaffee, Speiseöl, Zucker, Mehl. Wenn Sie hier unterstützen möchten, dann spenden Sie doch ab und zu solche Waren bei der Tafel in der Kantstraße 17, Nähe zu St. Otto. Beste Zeit dafür: Mittwoch so um 12 Uhr und Samstag zwischen 13 und 14 Uhr.

Bemühen wir uns weiter so wie bisher, dann werden wir nicht nur Fußball-Weltmeister, sondern auch Weltmeister der Herzen. Und wir werden dazu eine Menge an neuen Freunden gewinnen. Darauf freue ich mich jetzt schon.

Und denken sie daran: „Wennas etzatla desdo net glei verstenga, sans a a Asylant in Franggn“. Und was ein „Kraut“ ist wissen zumindest die etwas älteren unter uns.

Proud to be a „Kraut“

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